Nerdkram

Und es hat klick gemacht – NIU Mini

Keinen meiner bisherigen Blog-Artikel habe ich so langsam geschrieben wie diesen. Heute ist nämlich der erste Tag der Umstellung, und nicht nur das Klicken der mechanischen Tasten unter meinen Fingern ist neu.

Die Tastatur

Die Niu Mini von KBDfans ist eine mechanische, programmierbare, orthogonale 40%-Tastatur mit LED-Beleuchtung. Und was ist daran so toll?

mechanisch

Eine mechanische Tastatur bietet ein völlig anderes (meiner Meinung nach schöneres) Schreibgefühl als eine Rubberdome Tastatur (welche heutzutage Standard ist und z.B. in fast jedem Laptop verbaut ist). Außerdem gibt es die Möglichkeit ein haptisches und/oder akkustisches Feedback zu bekommen, je nachdem für welche Taster man sich entscheidet. Taster sind die Sensoren unter den Tastenkappen, die den Tastendruck registrieren. Ich persönlich bin ein absoluter Fan von dem Klickediklack, das mich an Schreibmaschinen und alte Filme erinnert, daher habe ich mich für die blauen Taster von Cherry entschieden.
Ein weiterer Vorteil mechanischer Tastaturen ist, dass sie hervorragend personalisierbar sind: Es gibt Tastenkappen in verschiedensten Formen und Farben. Besonders beeindruckend sind hier die Artisan Keycaps, welche von kunstvollen Mustern bis hin zu kleinen Skulpturen reichen.

programmierbar

Im Grunde heißt das: Ich kann diese Tastatur machen lassen was ich will. Natürlich gibt es gewisse Einschränkungen was das Programmieren angeht, aber ich kann beispielsweise die Beleuchtung steuern, und das nicht mit Tastenkombinationen, die mir irgendjemand vorgeschrieben hat, sondern so wie ich es gerne hätte. Insbesondere heißt programmierbar aber auch, dass meine Tastenbelegung unabhängig* von den Einstellungen des PCs ist. Da ich mit meiner neuen Tastatur von dem in Deutschland üblichen QWERTZ-Layout zu Neo wechsle hat das gleich zwei Vorteile: Wenn jemand anders meinen PC nutzen will, schließe ich einfach meine alte Tastatur an und muss nichts umstellen und wenn ich einen anderen Rechner nutzen möchte, muss ich nicht hoffen mir alles so einstellen zu können wie ich es gewohnt bin, sondern kann einfach meine eigene Tastatur nutzen.

orthogonal

Zum einen ist ein orthogonales Design ergonomischer, zum anderen habe ich mir erhofft durch eine doppelte Umstellung mein motorisches Gedächtnis besser austricksen zu können, sodass mir das Lernen von Neo (und später auch der Wechsel zwischen QWERTZ und Neo) leichter fällt.

40%

Für die Wahl einer so kleinen Tastatur habe ich eine ähnliche Motivation wie für den Umstieg auf Neo: Meine Hände sollen sich möglichst wenig bewegen müssen. Das ist ergonomischer und sorgt (nach der Eingewöhnungsphase) für schnelleres Tippen.

LED-Beleuchtung

RGB-Beluchtung. Personalisierbar oder in vorprogrammierten Modi nutzbar. Dank Acrylboden sieht meine Tastatur aus, als würde sie auf einem verdammten Regenbogen schweben. Muss ich wirklich noch mehr sagen?

Hätte ich nicht einfach eine andere kaufen können?

Natürlich hätte ich das. Es gab sogar einen starken Konkurenten: Die Planck von OLKB. Ebenfalls mechanisch, programmierbar, orthogonal und eine Größe von 40%, aber mit ein paar Unterschieden:

NIU Planck
eingebaute LEDs,
Gehäuse auf Beleuchtung ausgelegt
eingebauter Lautsprecher
Gehäuse umschließt (und schützt) die Taster schwebendes Design
ergonomisches, schräggelegtes Gehäuse waagerechtes Gehäuse
„große“ Leertaste 47 oder 48 Tasten möglich
(d.h. große Leertaste oder zwei kleine)

Das sind vermutlich nicht alle Unterschiede, aber die, die mir wichtig waren.

Meine Erfahrung mit dem DIY Kit

Es war ein Abenteuer.
KBDfans verschickt das Gehäuse zusammengebaut und es war ziemlich unkooperativ als ich es auseinander nehmen wollte. Die erste Hürde waren die hinteren beiden Schrauben, die komplett im Acryl versenkt sind. Einen Schraubendreher, der so tief in das winzige Loch passt, hat man normalerweise nicht einfach zu Hause rumliegen. Glücklicher Weise hatte mir ein Freund angeboten, mich zum Löten mit in den Hackerspace (grob gesagt ein Treffpunkt für Technikinteressierte) zu nehmen, sodass ich auch auf so spezielles Werkzeug Zugriff hatte. Nun waren die Schrauben gelöst, aber der Acrylboden wollte sich partout nicht vom Aluminiumteil lösen. Letztenendes haben wir ihn mit einem Hammer und einer schmalen Holzbalken herausgeklopft, nachdem wir bestimmt eine Stunde lang gewaltfreiere Versuche unternommen haben (man möchte ja nichts kaputt machen).

Die Tatsache, dass ich vorher noch nie geelötet habe, war hingegen absolut nicht dramatisch. Der Freund, der mich mitgenommen hat, hat mir an einem Rappelzappel (ein kleiner Anfängerbausatz) beigebracht wie das geht. Die Taster an die PCB zu löten war dann kein Problem mehr, denn die Lötstellen sind etwas größer und somit noch einfacher. Die Frage wie genau der Stabilisator für die Leertaste anzubringen ist mussten wir uns dank YouTube auch nicht lange stellen.

Beim Zusammenbauen hat sich das Gehäuse zwar nicht mehr so krass gewehrt wie beim Auseinandernehmen, aber spaßig war das trotzdem nicht.

Fazit: Ich bin stolz auf mich, weil ich mein erstes Lötprojekt erfolgreich durchgezogen habe, und das Löten als solches hat mir auch viel Spaß gemacht. Aber sollte ich mir jemals aus irgendwelchen Gründen eine zweite NIU zulegen, zahle ich lieber $15 Aufpreis als mich nochmal selbst mit dem Gehäuse herumzuschlagen.

Das Programmieren

Es könnte alles so einfach sein, wäre ich nicht deutsch und hätte zu allem Überfluss auch noch Sonderwünsche. Es gibt nämlich eine gute Schritt für Schritt Anleitung und das Programmieren an sich ist geradezu selbsterklärend. Zumindest wenn man sich mit den Standardkeycodes zufrieden gibt. Ist man jedoch deutsch und möchte die Tastatuureinstellung seines Betriebssystems auch bei Deutsch belassen, ist das Tauschen von Y und Z noch das geringste Problem. Die Sonderzeichen werden einem komplett zerschossen und nach den Umlauten sucht man lange. Doch wir wissen alle gidf, daher kann ich euch jetzt sagen: Wenn ich zu Beginn meiner keymap.c sage
#include „keymap_extras/keymap_german.h“
kann ich all diese deutschen Keycodes nutzen. Zusätzlich, wohlgemerkt. Ich musste nicht mein ganzes Programm neu schreiben.

Kommen wir jetzt zu meinen Sonderwünschen – oder besser Sonderzeichen, denn die sind worum es hier geht. Wen das Programmieren eh nicht wirklich interessiert, der scrollt am besten erstmal weiter; Es könnte dröge werden.

Problem Nummer eins: Shift und Capslock

  • Ich habe nur eine Taste frei und sie soll beides können.
  • Ich möchte Zeichen shiften, die so nicht vorgesehen sind. (z.B. Shift + ? = !)

Meine Lösung: Ebene [0] ist die normale Tastenbelegung, Ebene [1] ist entweder S(KC_A) (d.h. Shift + a) etc. oder das Sonderzeichen das ich gerne hätte. Den Ebenenwechsel mache ich mit TT(1) auf [0] (und KC_TRNS auf [1]), außerdem habe ich mein config.h um
#define TAPPING_TOGGLE 2
ergänzt, sodass doppeltes tippen Capslock (de)aktiviert (bzw. sich für alle praktischen Zwecke so verhält).

Problem Nummer zwei: Unicode

  • Ich möchte sehr viele Sonderzeichen.
  • Unicode ist bei mir noch irgendwo verbugt. (z.B. gibt UC(0x22ef) einfach 22ef aus statt )

Meine Lösung: Leider noch keine… Wie gesagt, heute ist der erste Tag an dem ich die NIU nutze und ich bin schon froh, dass alles andere funktioniert. Ich  habe in rules.mk mit
UNICODE_ENABLE = yes
Unicode aktiviert, aber irgendwo hapert es halt noch. Google war bisher nicht sonderlich hilfreich, aber ich werde schon eine Lösung finden.

Das Flashen

Der Prozess, bei dem man die Firmware auf der Tastatur mit der eigenen überschreibt nennt man Flashen. Hierzu muss die Tastatur zunächst in den DFU Mode gebracht werden. Das geht bei der NIU Mini unter anderem indem man den Reset-Knopf auf der Rückseite der PCB drückt. Dieser ist durch ein Loch im Boden des Gehäuses mithilfe einer aufgebogenen Büroklammer gut zu erreichen. Für Windows gibt es zum weiteren Vorgehen das Programm QMK Toolbox, mit welchem ich jedoch keinen Erfolg hatte: Obwohl meine Tastatur im DFU Mode war (erkennbar z.B. daran, dass ich nicht mehr tippen konnte) hat QMK Toolbox kein Gerät gefunden, das es flashen könnte. Wenn man sich den simplen Befehl fürs Terminal ansieht weiß ich aber auch nicht warum ich überhaupt ein extra Programm nehmen sollte. Allerdings musste ich diesen mit sudo ausführen; ich denke, da lag das Problem mit der Toolbox.
sudo make niu_mini:debbie:dfu

Ein kleines Problem beim Erstellen der Firmware war die Dateigröße. Das gab es aber auch, wenn ich es testweise mit der default keymap versucht habe. Wie empfohlen habe ich daher in config.h
#define NO_DEBUG
vom Kommentar zum Code gemacht (d.h. den / davor entfernt). Ich muss gestehen, ich weiß nicht was das ändert, aber die Dateigröße hat danach gepasst und bisher funktioniert auch trotzdem alles wie es soll.

Meine Tastenbelegung

Ich werde euch nicht mit allen Ebenen langweilen, aber das hier ist meine Basisebene:

 

  • Das Alphabet habe ich aus Neo 2 übernommen und beim Anpassen an die kleine Tastatur nur ß nach unten verbannt, damit Backspace in etwa da ist wo man’s gewohnt ist.
  • , und . habe ich mir von der Smartphonetastatur abgeschaut, denn beide Tasten sind mit dem Daumen gut zu erreichen.
  • Es war mir wichtig die Pfeiltasten in der Basisebene zu haben und auch – und ? dürfen nicht fehlen.
  • L1 sorgt für Shift und Capslock, s.o.
  • L2 bringt mich zum Ziffernblock und den häufigeren Sonderzeichen, die nicht von der Basis oder der Shift-Ebene abgedeckt sind.

 

Zum Abschluss noch eine Tabelle mit meiner Tippgeschwindigkeit bei diesem Test, die ich in den nächsten Tagen wohl ab und an aktualisieren werde.

21.01.2019 (QWERTZ) 83 wpm
21.01.2019 (Neo) 19 wpm
23.01.2019 (Neo) 26 wpm
26.01.2019 (Neo) 30 wpm

Ich weiß nicht, wie repräsentativ der QWERTZ Wert für meine bisherige Schreibgeschwindigkeit ist, da ich den ganzen Tag mit Neo getippt habe, aber der Unterschied ist gravierend.

 


*) Wenn man nicht mit Strings (konkreten Zeichenfolgen) arbeitet, sondern mit Tastenfunktionen, ist man davon abhängig welche Sprache im System eingestellt ist. Ich habe meine NIU natürlich so programmiert, dass sie macht was sie soll wenn das System auf Deutsch gestellt ist. Damit sollte ich immer noch alle genannten Vorzüge genießen dürfen 😉

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