Ideenkiste, Nerdkram

Jennys Escape Room

Wer meinen Blog schon eine Weile verfolgt weiß, dass ich seit Budapest von Escape Rooms begeistert bin. Als Jenny mich also fragte, was sie für eine Geburtstagsfeier veranstalten soll, nutzte ich die Chance ihr einen solchen aufzuschwatzen. 😉
Das Problem: 20 Gäste. Die üblichen Escape Rooms sind nicht für mehr als 10 Leute ausgelegt und bei dem Gedanken in getrennten Gruppen zu spielen hielt sich Jennys Begeisterung in Grenzen. Ihre bisherigen Überlegungen gingen in die Richtung einer futuristischen Kostümparty, angelehnt an Star Trek. Nach ein wenig gemeinschaftlichem Brainstorming kam mir dann ein Geistesblitz: Ich bastel ihr ihren eigenen Escape Room, bei ihr zu Hause!
Natürlich habe ich nicht die Möglichkeit qualitativ hochwertige Puzzel-Rätsel mit aufwendigen Mechanismen zu bauen oder einen Raum komplett futuristisch einzurichten, aber ich habe zwei Tablets und den Kopf voll trashiger Ideen. Außerdem haben Jenny Eltern ein eigenes Haus mit Garten, d.h. ich habe viel Platz um mich auszutoben (und es wird auch mit über 20 Leuten nicht zu eng).

Das ganze soll in 2 Räumen stattfinden: Im Wohnzimmer und in Jennys Zimmer, wobei die Lösung des Ganzen in den Garten führt, wo anschließend gegrillt wird.

Es folgt: Die Umsetzung meines schelmischen Plans.

Phase 1 – Der Transporter ist kaputt

Die Gäste sind im Wohnzimmer „gefangen“. Das Wohnzimmer stellt das Schiff von Captain J. E. Kirk dar, die anlässlich ihres Geburtstags mit ihrer Crew auf die Raumstation G-23 (also in den Garten) beamen will, um dort zu feiern. Allerdings ist der Transporter defekt und selbst der Chefingenieur ist mit seinem Latein am Ende. Als Kirk sich gerade verzweifelt auf der Brücke auf ihren Stuhl sinken lässt, geht der Bildschirm an und ein bläulicher Humanoid mit grünem Haar spricht zu ihr:
„Seid gegrüßt, Captain Kirk. Bei Ihrem letzten Besuch auf Alpha Epsilon III erfuhr ich durch Zufall von Ihrem geplanten Urlaub. Da ich Ihre Vorliebe für Rätsel kenne und teile, konnte ich der Versuchung nicht widerstehen, Ihnen anlässlich der Jährung Ihrer Geburt einen kleinen Streich zu spielen. Um Ihre Ankunft auf G-23 nicht all zu sehr zu verzögern, habe ich auf Ihrem Schiff reichlich Hinweise versteckt. Ich wünsche Ihnen und Ihrer Crew viel Erfolg!“
Der Bildschirm wird wieder schwarz.

Vom Wohnzimmer führt eine Treppe nach oben, dort kommt man zu Jennys Zimmer, und eine Tür führt in den Garten. Beide Ausgänge sind versperrt, dargestellt durch meine Tablets, welche nur mit einem Code entsperrt werden können. (Den dritten Weg nutze ich bewusst nicht, da von dort Nachzügler dazustoßen können – und wir wissen doch alle wie pünktlich Gäste auf einer Party sind. 😉 )

Wichtige Hinweise in Phase 1:

  • Im Raum versteckte Edelsteine mit Symbolen
  • Eine Uhr, die keine Ziffern sondern Symbole (wie die auf den Steinen) zeigt
  • Das Hintergrundbild des Tablets an der Treppe: Silhouetten von 4 Edelsteinen, in rot

Die Edelsteine gibt es massenhaft in grau mit bunten Symbolen und vereinzelt in bunt mit schwarzen Symbolen. Vier der grauen Edelsteine mit roten Symbolen haben die richtigen Umrisse. (Wichtig: Diese vier Formen tauchen in dieser Farbkombination nur genau ein mal auf.)
Meine falsche Fährte: Es gibt genau vier rote Edelsteine, die ich sogar silbern „markiert“ hab, als wolle ich sagen „Schaut, hier ist die Lösung, ihr liegt richtig!“, aber sie haben die falsche Form.
Auf der Rückseite der Uhr ist ein roter Pfeil. Wenn man diesen nach oben dreht, kann man die Symbole in Zahlen übersetzen und in der auf dem Tablet angegebenen Reihenfolge eingeben.

Die Steine habe ich, inspiriert durch den Trash-Faktor von Raumschiff Enterprise, selbst gebastelt. Die kostenlosen Vorlagen, die ich mir vor Jahren für einen Adventskalender runtergeladen hatte, kamen mir sehr zu gute.
Anmerkung für Nachbastler: Bei Model C fehlt eine Klebelasche für die langen Kanten. Außerdem fehlt in der kleinen Variante dem Unteren eine Klebelasche für die Spitze.

Am Ende von Phase 1 kann man das Tablet an der Treppe entsperren und dann folgendes lesen:
„Ich gratuliere, Captain. Befehlen Sie ihrem Navigationsoffizier Kurs auf Alpha Epsilon III und beamen Sie sich dort mit drei Besatzungsmitgliedern hinunter. Der Transporter ist jetzt so eingestellt, dass er funktioniert, solange sich das Raumschiff in der Umlaufbahn des Planeten befindet. Genießen Sie den Landgang, die frische Luft wird Ihnen gut tun!
Jenny, Alpha Epsilon III ist dein Zimmer. An sich sollte man eine Party nicht spalten, aber da oben ist nicht viel Platz. Such dir drei Begleiter aus und erkunde mit ihnen den Planeten. Damit du dein Raumschiff nicht allzu lange verlassen musst, sind auf dem Planeten nur Hinweise, die mit euch zurück gebeamt werden können. Sammelt also alles interessante ein und kommt dann wieder aufs Schiff. Du wirst wissen wenn ihr alles habt.

Phase 2 – Alpha Epsilon III

Wichtige Hinweise in Phase 2:

  • Ein Koffer mit Zahlenschloss
  • grüne, versteckte Edelsteine

An den Edelsteinen hängen Puzzleteile. Ich habe sie nicht einfach so im Zimmer verteilt, da man die Hinweise finden sollte ohne Jennys Zimmer auseinander zu nehmen. Außerdem steht auf den Steinen „S“, „E“, „C“, „H“, „S“, „6“ – die Anzahl der zu findenden Steine. Der Erkundungstrupp soll ja möglichst zügig zurück aufs Schiff.
Wenn Jenny und ihre Gäste die Puzzle zusammengesetzt haben sehen sie Fotos der Besatzung aus der Original Series, Next Generation und Deep Space 9. Die Anzahl der Personen, eingestellt in der Reihenfolge, in der die Serien erschienen sind, ist der Code für den Koffer.

Phase 3 – Tribbles!

Wichtige Hinweise in Phase 3:

  • Tribbles (Puschel aus Kunstfell) in 4 Farben, im Koffer
  • Zettel mit Star Trek Trivia, die von Anfang an im Raum verteilt sind
  • Ein weiterer Zettel mit Tribble Trivia, im Koffer, um den Zusammenhang eindeutig zu machen

Die Trivia hab ich der Einfachheit halber von Memory Alpha übernommen. Für die Tribbles hab ich mir Haargummis gekauft und die Puschel abgetrennt.
Auf jedem der Zettel sind in einer anderen Farbe einige Details markiert – welche allerdings völlig irrelevant zum Lösen des Rätsels sind: Die Anzahl der markierten Stellen ist wichtig. Die Anzahl der Tribbles der entsprechenden Farbe gibt an, an welcher Stelle im Code die Zahl steht. Natürlich hab ich auch noch ein paar Zettel mit Markierungen in anderen Farben versteckt, um Verwirrung zu stiften 😉

Gibt man den richtigen Code an zeigt das Tablet:
„Gratulation, Captain! Sie haben eine ausgezeichnete Crew. Gemeinsam mit Ihren Gästen haben Sie meine Rätsel mit Bravour gemeistert und Ihr Transporter ist nun wieder voll funktionstüchtig. Ich wünsche Ihnen einen erholsamen Urlaub und eine ausgelassene Feier auf der Raumstation G-23.
Und ich bedanke mich fürs Mitspielen und freue mich schon aufs Grillen. Ab in den Garten! 😉

Und wie ist’s wirklich gelaufen?

Jenny hat mir ein Zeitlimit von einer Stunde gegeben, da der Grill schon angeworfen wurde. Ich hab also mit etwa 25/20/15 Minuten pro Phase gerechnet und wenn’s knapp wurde angefangen Hinweise zu gegeben.

In Phase 1 hat meine Finte mit der silbernen Markierung absolut nicht funktioniert, eher im Gegenteil: „Die können nicht gemeint sein, da ist grau mit dran.“
Es wurde viel über die Anzahl spekuliert und darüber welche Bedeutung die Uhr hat („Kann man die Uhrzeit umstellen?“), aber durch Diskutieren und Überlegen wurde die richtige Lösung erreicht.
Zwischendurch musste ich allerdings den Hinweis geben, dass man sich das Tablet an der Treppe auch mal ansehen sollte – es wurde nämlich nur das am Garten inspiziert, und da das keine Hinweise hatte, war das andere uninteressant.
Zeitdauer: 26 Minuten

Phase 2 hat deutlich länger gedauert als erwartet. Nach etwa zehn Minuten wollte ich rauf gehen und nachsehen, als mir der Erkundungstrupp entgegen kam. Mit 4 Steinen. Ich hab also alle wieder nach oben geschickt.  Als ich 5 Minuten später nochmal nachschaue, sind sie sich mit 5 Steinen sicher, alles zu haben…
„Steht denn auf den Steinen was drauf?“
„Ja: H, S, C, 6 und S.“
„Mhmm… und wie schreibt man 6?“
„S-E-C-… oh.“
Danach ging’s dann doch recht schnell 😉
Beim Puzzle habe ich ein wenig übertrieben was die Größe der Teile angeht und es tat mir leid, dass einige dabei untätig warten mussten. An sich war es so geplant, dass die Puzzles fix sortiert werden und dann Kleingruppen die Teile zusammenfügen, aber das hat mit so kleinen Schnipseln leider nicht so schnell funktioniert.
Zeitdauer: 29 Minuten

Als Phase 3 los ging und Jenny den Koffer geöffnet hat, hat sie sich tierisch gefreut und die Tribbles durchs Zimmer geworfen: „Tribbles für alle!“
Nachdem die Infos auf den Zetteln mehrfach vorgelesen und für zusammenhangslos erklärt wurden, wurde der letzte Code schnell gelöst und wir konnten Essen gehen.
Zeitdauer: 4 Minuten

Fazit

Die Planung ging eigentlich ganz flott. Ich war mir schnell sicher, dass ich in drei Phasen arbeiten will und mit der Inspiration eines Star Trek Marathons und meinen Erinnerungen an die Escape Rooms in Budapest kamen die Ideen für die Rätsel dann wie von allein. Das Basteln war allerdings ein höllischer Aufwand. Wer 42 Steine bastelt, obwohl er eigentlich nur 10 braucht ist aber auch selbst schuld. Ich wollte nunmal eine ausreichend verführerische falsche Fährte legen, damit nicht alles innerhalb von 5 Minuten gelöst ist.
Finanziell war das Projekt (zum Glück) keine große Belastung: Die Haargummis hab ich zweifach reduziert bekommen und nur 18€ gezahlt und ansonsten musste ich nichts neues kaufen.

Dass wir das Zeitlimit so punktgenau eingehalten haben, hat mich sehr gefreut. Dabei nachhelfen zu müssen, war für mich nicht wirklich schlimm, denn erstens zählt der Spaß bei der Sache und ich wollte deshalb, dass das Ganze erfolgreich endet, und zweitens haben Astrid und ich auch den ein oder anderen Hinweis benötigt. Ich weiß nicht, ob das überall so vorgesehen ist – vermutlich nicht – aber wir hatten sogar extra eine Vorrichtung um Hinweise zu „bestellen“, wenn wir nicht weiter kamen.

Jennys Reaktionen zu sehen war wahnsinnig schön und ich hab im Nachhinein auch von anderen Gästen überaus positives Feedback bekommen.
Es war definitiv eine lohnenswerte Erfahrung und mit viel Spaß verbunden – aber ich denke nicht, dass ich soetwas nochmal machen werde.
Der Zeitaufwand war wirklich enorm und ich bezweifle, dass ich genug Ideen für einen zweiten Escape Room hätte.

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