Pen & Paper

Das Hügelgrab – Der Auftrag

Der erste Teil des Abenteuers „Das Hügelgrab von Caetharlach“
Hier geht’s zum nächsten Teil. Alles weitere findet ihr in der Übersicht.

Es ist früher Abend, die Sonne versinkt langsam hinter den Dächern der Stadt. Die Taverne Zur einäugigen Eule beginnt sich zu füllen. An einem der Tische sitzen schon seit Mittag vier Gestalten:

„Ich geb‘ noch eine Runde aus!“, beschließt Emilio grinsend, „Seid ihr dabei?“ „Klar!“, erwidert Tanía begeistert und auch Seripha, welche als Elbe viel vertragen kann, stimmt zu. Nur Rhydian meint, er habe schon ein paar Gläser zu viel getrunken. „Komm schon, einen kleinen Wein auf meinen Geburtstag!“ versucht Emilio den Druiden zu überzeugen – und es klappt. So trinken die vier munter bis tief in die Nacht hinein. Als Ricardo, der Wirt, seine Taverne schließen will und zu ihnen kommt um das Geld einzutreiben sind weder Seripha noch Tanía oder Rhydian ansprechbar – und von Emilio ist keine Spur. Also lässt Ricardo die Trunkenbolde von seinen Knechten im Hof aufs Stroh legen und begibt sich selbst zur Nachtruhe in die Dachstube.

Am nächsten Morgen werden die Schulnder unsanft geweckt, als der Wirt ihnen gegen die Füße tritt. „So, wer von euch zahlt für das gestrige Saufgelage?“ „… von uns?“, fragt Tanía erstaunt. „Ja natürlich von euch. Oder meint ihr, ihr könntet bei mir umsonst trinken?“
Auch wenn er nicht die Absicht hat, den Wirt zu bezahlen, fragt Rhydian: „Wie viel schulden wir euch denn?“ „Lasst mich rechnen…“, kommt die Antwort, „… mit dem Pferd, das euer Freund gestern mitgenommen hat, und den 14 Tagen die er hier auf euch gewartet hat… 63 Gold“

„So viel haben wir doch aber gar nicht!“, ruft Seripha entsetzt.
„Ach, Zechpreller seid ihr also? Und du“, er zeigt auf die Elbe, „hast eh am meisten getrunken. Vielleicht sollte ich dich an die Sklavenhändler im Hafen verkaufen. Spitzohren bringen mehr.“
„Mich verkaufen? Ich bin von adligem Geblüt, warum sollte gerade ich mich verkaufen lassen?“
„Oh, Adel, wunderbar!“, fällt man ihr barsch ins Wort, „Sie lieben es verwöhnte Geister zu brechen.“

Bei diesen Worten löst sich plötzlich eine Gestalt aus den Schatten am anderen Ende des Hofes, vor den Ställen. Ein Mann in einem dunkelblauen Umhang und einem großen Amulett um den Hals tritt ins Licht. Seripha erkennt in seinem Amulett das Zeichen des Eru: Ein Kreis, in den von oben ein Dreieck hineinragt – doch das Auge, welches in das Dreieck geprägt ist, ist ihr neu. Der Fremde kommt näher. „Ricardo“, beginnt er, „du weißt doch, dass der Sklavenhandel in Ladorea verboten ist.“
„F-Frater Angelo…“, stammelt der Angesprochene überrascht. „Sie… Sie können ihre Schuld nicht bezahlen. Wo soll ich denn sonst mein Geld herbekommen? Sie haben nun mal mehr getrunken als sie zahlen können…“
„Stimmt das?“, fragt der Frater die noch am Boden liegenden.
„Ja, aber…“, versucht Tanía zu erklären, wird jedoch direkt vom Wirt unterbrochen: „Da hört ihr es!“
„Aber was?“, erkundigt  sich Frater Angelo dennoch.
„Man hat uns reingelegt!“, schmollt Seripha.
„Genau. Dieser Emilio hat behauptet es sei sein Geburtstag und er würde die Getränke ausgeben.“, führt Tanía weiter aus, „Dabei hat er wohl nur jemanden gesucht, der ihm neben seiner Unterkunft hier auch noch einen ausgiebigen Saufabend und ein Pferd für seine Weiterreise bezahlt.“

„Nun…“, grübelt der Kirchenmann, „Ich könnte eure Schuld bezahlen. Allerdings nur gegen einen kleinen Gefallen. Ihr müsstet etwas für mich besorgen.“
„Und was wäre das?“, erkundigt sich Tanía.
„Nichts spektakuläres, nur eine alte Sichel. Dafür wäre eure Schuld getilgt und auch die Kosten, die ihr für die Besorgung auf euch nehmt, würde die Kirche übernehmen. Ihr müsstet ins Tal der Tränen Reisen, zwischen Ywerddon und Alba; dort liegt in einem Hügelgrab die sogenannte Mondsichel. Im Grunde müsst ihr also nur rein, die Sichel holen und wieder raus. Seid ihr erfolgreich, erhält jeder von euch 5 Gold, als dankbare Geste der Kirche.“
Der Druide ist skeptisch: „Gibt es keine Wachen oder Schutzzauber?“
„Da es sich um eine Heidengegend handelt, ist Magie nicht auszuschließen. Mit Wachen ist jedoch nicht zu rechnen. Ein Krieg in jener Gegend des Landes hat vor Jahren alle die dort wohnten vertrieben.“

„Nun gut… Wie werden wir das Tal der Tränen erreichen?“, fragt Tanía, womit sie sich ihrem Schicksal fügt und den Auftrag zu akzeptieren scheint.
„Nachdem euch ein Schiff innerhalb einer Woche nach Ywerddon gebracht hat, werdet ihr den Rest zu Fuß zurücklegen müssen. Ihr dürftet das Grab nach drei bis vier Tagen, und somit vor der nächsten Sonnenwende, erreichen. Und nun,“ er schnippt mit den Fingern, woraufhin ein junger Mann aus den Schatten tritt, „wird euch Leonardo helfen, die nötigen Vorkehrungen zu treffen.“

Um den Hals des jungen Mannes hängt, wie um den des Fraters, ein Eruzeichen, doch ist in seins kein Auge geprägt, sondern ein Schwert ragt hinter dem Dreieck hervor. Er will der Gruppe gerade bedeuten ihm zu folgen, als Ricardo schnaubt: „Das ist ja alles schön und gut, aber was ist jetzt mit meinem Geld?“
„Das sollst du haben.“, sagt Frater Angelo wohlwollend und reicht ihm einen Beutel, in dem Münzen klirren. Gierig greift ihn der Wirt und zählt nach.
„Das sind aber nur 50 Gold. Die haben…“, beginnt er sich zu beschweren, als der Frater ihn mit ruhiger Stimme unterbricht.
„Ricardo, ich kenne dich und deine Preise. Selbst mit 40 Gold wärst du noch gut bedient. Und nun zu euch“, er wendet sich der Gruppe um Tanía zu, „Die Frische Brise, das Schiff mit dem ihr nach Ywerddon gelangen werdet, legt morgen bei Sonnenaufgang ab. Dafür, dass ihr heute erneut hier nächtigen könnt,  ist bereits bezahlt.“, ein scharfer Blick zu Ricardo genügt um dessen Widerspruch im Keim zu ersticken, „Den Kapitän der Frischen Brise kenne ich schon seit einigen Jahren und er hat mir versichert, dass euch die komfortabelsten Kajüten zur Verfügung stehen werden. Jetzt geht mit Leonardo alles weitere erledigen. Er wird im Namen der Kirche für die Kosten aufkommen. Und Leonardo… Denk daran, dass bei Sonnenuntergang die Tore verriegelt werden. Du solltest nicht draußen schlafen müssen.“ Mit diesen Worten wendet er sich zum Gehen.

Hier geht’s zum nächsten Teil des Abenteuers.

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